Nachhaltiges Bauen

Zwischen 2012 und 2015 haben wir das Haus bene partus in vielen Bereichen modernisiert.
So wurde:

  • Abwasserentsorgung erneuert
  • Heizungsanlage modernisiert
  • Elektrik überarbeitet/modernisiert
  • WC´s, Duschen, Küche erneuert
  • Seminarraum renoviert
  • Dachgeschoß entkernt und neu aufgebaut
  • Dach gedämmt und Eindeckung saniert

und vieles mehr, was hier sicher vergessen wurde…

Das ganze wurde in einem Projekt „Nachhaltiges Bauen – die Bildungsstätte zum Selbermachen“ geplant, organisiert und finanziert, vornehmlich durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Aber auch viele Spender haben ihren Teil dazu beigetragen.

Zur Konzepterläuterung:

Nachhaltigkeit

… das in der Forstwirtschaft seit 300 Jahre gelebte Prinzip, der Ressource (dem Wald) nicht mehr zu entnehmen (Baumfällungen) als nachwächst, ist heute leider zu einem Modewort verkommen. Alles soll nachhaltig sein, Marketing wird mit dem Nachhaltigkeitsgedanken getrieben. Nachhaltigkeit, verstanden als Handlungsprinzip, ist darauf ausgelegt, Kindern und Jugendlichen nahe zu bringen, wie sie mit ihren Handlungen dazu beitragen können, das Gleichgewicht zu wahren. Das ist grundlegend in der Arbeit der Waldjugend verankert. Die Idee der Waldjugend wurde in den 1950er Jahren durch Förster, Jäger und Biologielehrer entwickelt, die erreichen wollten, dass Kinder und Jugendliche durch die praktische Arbeit in der Natur und im Wald lernen, was in ihr lebt und wie man sie nachhaltig schützen und nutzen kann. Diese Idee hat an Aktualität nichts verloren und ist noch immer Grundlage der Waldjugendarbeit.

Und nach diesem Prinzip wird das Haus bene partus geführt. Die aktuellen Bauprojekte haben nicht nur zu einer besseren Ökobilanz beigetragen, sie sind das lebende Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit vor Ort umgesetzt und vermittelt werden kann.

Durch die Mitarbeit am Haus entdecken und entfalten Kinder und Jugendliche Fähigkeiten und Kompetenzen, selbst Probleme zu erkennen, sie zu bewerten und eigene Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. So lernen die Kinder und Jugendlichen, ausgehend von einem konkreten Problem beim Bauen, mit Schwierigkeiten und Problemen umzugehen, Lösungswege zu entwickeln und zum Ziel zu gelangen. Dies kann ein neues Selbstbewusstsein bei den Kindern und Jugendlichen schaffen, welches ihnen ermöglicht, auch in anderen Lebenssituationen mit Problemen entsprechend umzugehen.

Eine Bewertung entlang der Kriterien für Nachhaltigkeit ergibt folgende Betrachtung:

Ökologie:

Bei den Baumaßnahmen wurde auf Baustoffe mit kurzen Transportwegen geachtet, um so den CO2 Ausstoß gering zu halten. Überwiegendes Baumaterial war Holz. Mit der begonnenen Erneuerung von Fenstern und Türen (neue Fenster und Türen bis Ende des Jahres nach aktueller EnEV) sowie der Dachisolierung (weit über EnEV Niveau) wurden aktive Umweltschutzmaßnahmen geplant und durchgeführt. Einige Baustoffe und Bauteile wurden wieder verwendet.

Das Haus ist mit Wasserspararmaturen ausgestattet sowie grundsätzlicher Energiesparbeleuchtung. Des Weiteren wird durch ein geschlossenes Abwassersystem sichergestellt, dass kein Abwasser in die Umwelt gelangt. Eine witterungsgeführte, saubere Brennwerttherme sorgt für niedrigen Heizenergieaufwand.

Grundsätzlich werden bei den Bauwochenenden zunächst einmal die einzelnen Schritte mit den Kindern und Jugendlichen besprochen, es werden die ökologischen Vor- und Nachteile der Baustoffe besprochen und der Status Quo diskutiert, wie z.B. ob ein Fenster aus den 80er Jahren wirklich gut isolieren kann. Hierzu werden, beim Fensterbeispiel bleibend, z.B. kleine Demonstrationen, wie z.B. ein „Kerzentest“ oder Versuche mit eine ausgeliehenen Wärmebildkamera gemacht. Die Kinder und Jugendlichen können also sehen, was das Problem ist.

Auch wird den Kindern und Jugendlichen beispielsweise der aktuelle Energieverbrauch des Hauses verdeutlicht, da wir eine Software zur Visualisierung des Gasverbrauches haben, die den Zählerstand automatisch erfasst und beobachtet. So können die Betrachter beispielsweise Außentemperaturen und Gasverbrauch in Kurven gegeneinander stellen und sich bewußt machen.

Vergleichende Aufnahmen nach Einbau eines neuen Fensters oder einer Isolierung eines Teilstücks der Fassade beispielsweise zeigen den Effekt unmittelbar auf. Aber auch die „Energiekurven“ sollen langfristig weiter beobachtet werden.

 

Ökonomie:

Das Projekt wurde so wirtschaftlich wie möglich durchgeführt. Preisvergleiche waren da ein Muss. Aber auch Baumaßnahmen, wie Klempnerarbeiten, Elektrik etc. wurden bis zur Abnahme von uns vorbereitet. So konnte die gesamte Sanierung zum einen kostengünstig erfolgen, zum Anderen wurde so durch die Partizipation der Kinder und Jugendlichen die Identifikation mit der Arbeit erreicht. Langfristig hat das Ganze ökonomische Auswirkungen durch die Einsparung von Heizkosten und der durch den gestiegenen Komfort weiterhin gerechtfertigten Mietpreise. Letzteres wäre auch durch eine „einfache Renovierung“ möglich gewesen, aber das war nicht Ziel der Arbeiten im Sinne der Nachhaltigkeit.

Die Vermittlung der Tatsache, dass nicht alles „neu“ sein muss, sondern auch gebrauchte Gegenstände verwendet werden können, die Beobachtung, dass Energie sparen auch Geld spart (siehe unter „Ökologie“) und der vergleichende Einkauf auch unter Kostenaspekten sind die Kernelemente unserer Vermittlung. Durch Anschauungsobjekte, aber dann auch deren tatsächliche Verwendung wird dieses geübt und verdeutlicht.

Am Beispiel des verwendeten Bauholzes wird die Herkunft, die Effekte für Forstwirtschaft und Arbeit aufgezeigt. Auf der Ferienfreizeit 2011, vor Beginn der Baumaßnahmen, haben wir beispielsweise ein Sägewerk besucht, um uns die Verarbeitungsschritte erklären zu lassen – wie wird aus einem Baum ein Balken, wie ein Brett. Alles Holz, was wir gekauft haben, ist darüber hinaus aus nachhaltiger Forstwirtschaft – FSC-Siegel. Diese wurde diskutiert und da die Hamburger Wälder zum Zeitpunkt der Diskussion FSC-Zertifiziert waren, konnten wir uns vor Ort durch einen Förster auch gleich erklären lassen, was er dafür tut und tun muss.

 

Soziale Dimension:

Alle Aktionen auf dem Gelände des Hauses bene partus finden stets nach Absprache mit dem dortigen Revierförster statt. Für die Kinder und Jugendlichen finden diese Prozesse transparent statt, damit sie nachvollziehen können, nach welchen Kriterien der Förster seine Entscheidungen getroffen hat. Den Kindern und Jugendlichen wird die Möglichkeit geboten auf dem Gelände oder im Haus aktiv zu werden und mit zu gestalten. Es wird ihnen aber auch aufgezeigt, welche Möglichkeiten die Region bietet. Es findet auch eine Einbeziehung der Nachbarschaft statt. Ohne die hohe Akzeptanz dieser wäre es nicht möglich, einen so idealen Standort für die Arbeit der Waldjugend im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Die Kinder und Jugendlichen werden in die Kommunikation mit einbezogen.

Grundsätzlich lebt so ein Bauprojekt von der Mitbestimmung. Und auch wenn wir als Teamer die Verantwortung für das Gelingen haben, so sind den Kindern und Jugendlichen bei uns viele Möglichkeiten gegeben, die Ausführung des Bauprojektes, aber auch der Seminarprogramme mitzubestimmen. Das fängt an bei unserer jährlichen Mitgliederversammlung, die nicht nur der stumpfen Abstimmung über Vorstand und Satzung dient, sondern auch der Bestimmung der Seminarprogramme. Was soll angeboten werden, was soll wie durchgeführt werden? Auch die kreative Ausgestaltung der Baumaßnahmen, z.B. Farbwahl, Dekoration, Gestaltung, obliegt den Kindern und Jugendlcihen, so dass hier Identifikation und Teilhabe gegeben sind.

Aber auch die Motivation und Umsetzung externer Nutzer soll durch das Haus entsprechend in Richtung Nachhaltigkeit geführt werden: Als Naturerlebnisraum zum selbst entdecken bietet das Gelände die Möglichkeit, naturpädagogische und BNE-Elemente selbst umzusetzen, das Haus wiederum bietet als Anschauungsobjekt Diskussionsstoff und Erlebnis von Einfachheit bei gleichzeitiger Umweltfreundlichkeit.

 

 

Kulturelle Dimension:

Die Waldjugend vernetzt sich durch ihre Arbeit immer weiter mit anderen Einrichtungen und Trägern des bürgerschaftlichen Engagements. Auch wird das Haus selbst in seiner Eigenschaft als Selbstversorgerhaus von diesen oft genutzt. Es findet auch eine Vernetzung mit Firmen und Handwerksbetrieben statt. Diese könnte noch weiter ausgestaltet werden, indem z.B. Elemente der Praktika oder Ausbildung im bene partus absolviert werden (z.B. Handwerker, Gartenbauer etc.). Auch könnten die Firmen und Betriebe ihre spezifischen Kompetenzen direkt an die Kinder und Jugendliche weiter geben, die an den Programmen der Waldjugend teilnehmen, indem sie z.B. in bestimmte Arbeitsschritte unter Anleitung direkt eingebunden werden.

Globale Verantwortung:

Durch die umgesetzten Sanierungsschritte wird Wasser gespart, Abwasser verringert sowie durch sinkenden Heizbedarf der CO²-Ausstoß signifikant verringert. Dieses trägt zu einer verbesserten Umwelt- und Klimabilanz des Hauses bei und hat somit – wenn auch im kleinen Maßstab – Auswirkungen auch globaler Natur. Aber auch unsere Bildungsarbeit soll einen kleinen Teil dazu beitragen, dass diese Welt ein Stück nachhaltiger wird.

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