Pädagogisches Konzept

Der Rahmen unseres Konzepts ist die  „Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)“.

Unsere pädagogische Arbeit geht hauptsächlich nach wald- und erlebnispädagogische Leitbildern vor. So werden einerseits die Methoden der Waldpädagogik, wie sie im bundeseinheitlichen Waldpädagogikzertifikat gelehrt werden, angewandt, andererseits aber auch handwerkliche und technische Methoden, wie sie beispielsweise in den Jugendwaldheimen der Forsten genutzt werden, eben „Lernen durch Herz und Hand“.
Bildung für nachhaltige Entwicklung wird unserer pädagogischen Ansicht in erster Linie durch Erlebnisse und Erfahrungen ermöglicht und erst in zweiter oder dritter Linie durch Frontalvorträge, Filme oder Medien. Ein authentisches Naturerlebnis kann durch nichts ersetzt werden, eine Anleitung zu dieser intensiven Erfahrung ist allerdings zwingend notwendig, da vielen Kindern und Jugendlichen heute die Grundlagen dafür fehlen.

Die Kinder und Jugendlichen erhalten bei uns darüber hinaus – wie es in der Bildung für nachhaltige Entwicklung gefordert ist – die Möglichkeit, zu gestalten.
Bei uns gab es vor dem Beginn des Projektes „Waldschule bene partus“ keinen „ausgestalteten Lernraum“, wie dieses etwa in der Schule, in einem Museum oder auch im medialen Umfeld der Fall ist.
Kinder und Jugendliche haben hier seit Anfang 2012 die Möglichkeit, „ihren“ Lernraum selbst zu gestalten.

Haus bene partus als lebendiger „Lernraum zum Selbermachen“

Das Haus „bene partus“ ist das Landeszentrum der Deutschen Waldjugend Landesverband Hamburg. Maßgabe des Projektes: Es soll für die Arbeit der Waldjugend und andere Nutzer erhalten bleiben, daher wird es seit Ende des Jahres 2011 vorwiegend in Eigenleistung der Mitglieder saniert. Die aktuellen Bauprojekte haben nicht nur zu einer besseren Ökobilanz beigetragen, sie sollen viel mehr auch als Beispiel dafür dienen, wie Nachhaltigkeit vor Ort umgesetzt und vermittelt werden kann.
In konkreten Baumaßnahmen, Seminaren und Projektwochen lernen die Mitglieder, mit Holz, Gips, Farbe usw. umzugehen.
Bei der Sanierung sind möglichst umweltverträgliche Stoffe eingesetzt sowie aktive Umweltschutzmaßnahmen durchgeführt worden.
Die Kinder und Jugendlichen haben die Möglichkeit, sich bei der Gestaltung des Hauses zu beteiligen.

Durch die Mitarbeit können Kinder und Jugendliche Fähigkeiten und Kompetenzen entdecken und entfalten, selbst Probleme zu erkennen, sie zu bewerten und eigene Lösungsmöglichketen zu entwickeln. So lernen die Kinder und Jugendlichen, ausgehend von einem konkreten Problem beim Bauen, mit Schwierigkeiten und Problemen umzugehen, Lösungswege zu entwickeln und zum Ziel zu gelangen. Dies kann ein neues Selbstbewusstsein bei ihnen schaffen, welches ihnen ermöglicht, auch in anderen Lebenssituationen mit Problemen entsprechend umzugehen.

Und mit dem Abschluß der Sanierung geht es weiter:
Geplant ist die Gestaltung des Außenbereichs durch Kinder und Jugendliche für Kinder und Jugendliche. Ein Lehrpfad wird angelegt, verschiedene Schaubiotope wie z. B. ein Geruchsgarten, ein Insektenhotel und verschiedene Hochbeete realisiert. Hier wird die handwerkliche Ausbildung dann durch naturkundliche, ökologische und pädagogische Konzepte ergänzt.

Der „Lernraum bene partus“ ist somit ein Projekt der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in dem Kinder und Jugendliche das Lernmedium – Haus und Gelände – selbst gestalten, entwickeln und instand halten.

Das Projekt vermittelt Kompetenzen:

Mit Gestaltungskompetenz wird die Fähigkeit bezeichnet, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung erkennen zu können. Sie umfasst zum Beispiel folgende Fähigkeiten:

  • vorausschauendes Denken – z.B. in der Anwendung der Baumaterialien, der Gestaltung der Anschauungsobjekte, indem Vorstellungskraft über die zukünftige Nutzung entwickelt wird, vorausschauend geplant wird (z.B. wieviel Holz wird benöltigt, wieviel CO² wird dadurch gebunden etc.);
  • interdisziplinäres Wissen (wie handwerkliche, biologische, ökologische Kenntnisse);
  • autonomes Handeln (den Rahmen setzt das Projekt, während der Baulager ist Einteilung der Arbeit und im Rahmen der Planung die Ausführung Entscheidung der Kinder und Jugendlichen);
  • Partizipation an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen (z.B. Abstimmungen über Details der Entscheidungen, gemeinschaftliche Begründungen für Förderanträge etc.)

 

 

Grundthema – sowohl durch den Einsatz des Baumaterials Holz als auch im Hinblick auf die zu gestaltenden Außenelemente ist der Wald.

Der Wald als Metapher für Nachhaltigkeit:

Der Wald ist der Ort, an dem Nachhaltigkeit seit 300 Jahren gelebt wird. Der Begriff wurde von Hans Carl von Carlowitz in dem Buch „Sylvicultura oeconomica“ geprägt: Es dürfen nur so viele Bäume geschlagen werden, wie im gleichen Zeitraum nachwachsen. Und so beginnen auch viele unsere Veranstaltungen beispielsweise mit einer Einführung, wie dieses mit einfachen Hilfsmitteln nachvollzogen werden kann.
Die deutsche Forstwirtschaft lebt dieses Prinzip der Nachhaltigkeit auch heute noch und ist damit einer der ganz wenigen Orte, wo wirklich so etwas nicht nur nachgewiesen werden kann, sondern auch beobachtet und erlebt.

In der Späherprobe der Waldjugend – die Leitschnur unserer Arbeit ist – ist der Nutzen des Waldes ein Kernaspekt: Der Punkt „Wohlfahrtswirkungen des Waldes“ ist zum Einen Lern- und Prüfungsaufgabe, zum Anderen könnte man die Erhaltung dieser Wohlfahrtswirkungen als Motivation und Leitbild der Waldjugend und damit auch der Waldschule bene partus definieren.

Die Bedeutung des Waldes, bezogen auf die Dimensionen der Nachhaltigkeit

 

Ökologische Dimension:

  • Globaler CO²-Haushalt
  • Artenvielfalt
  • Klima
  • Wasserhaushalt
  • Bodenschutz (u.a. vor Erosion)

 

Ökonomische Dimension:

  • Rohstoff Holz – als nachwachsender Rohstoff
  • Wirtschaft regional – Zusammenhänge zwischen Forst – verarbeitende Gewerke
  • Internationaler Holzhandel

 

Soziale Dimension:

  • Wald als Lebens- und Freizeitraum
  • Arbeitsplätze in der Waldwirtschaft
  • Waldnutzung vs. Erholung
  • Eigentumsrechte- und Konflikte

 

Kulturelle Dimension:

  • Vorstellungen vom Wald in Geschichten, Erzählungen und Darstellungen – aber auch im Kopf
  • Wald und Bäume als Bestandteil kultureller und regionaler Identität
  • Einsatz von Holz in der Kunst (als Rohstoff, Hilfsmittel)
  • Wald und Natur in der Kunst (z.B. Land-Art)

 

Am Beispiel des Waldes können wir im Sinne einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aufzeigen:

  • globale Zusammenhänge und Herausforderungen wie den Klimawandel oder globale Gerechtigkeit;
  • die komplexen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ursachen dieser Probleme.

Altersgemäße Umsetzungen, von der Laubschlacht für den Kindergarten über Waldführungen für die Grundschule und Zukunftswerkstätten für die Sekundarstufe 1 ermöglichen altersspezifische Erlebnisse für alle.

Ein bewußter Umgang mit den Ressourcen fällt leichter, wenn die Dinge erlebt worden sind und ein Bezug dazu hergestellt wurde.
Informationen zum Weiterlesen:

BNE Grundlagen: http://www.bne-portal.de/was-ist-bne/grundlagen/

Grundlagen Gestaltungskompetenz: http://www.bne-portal.de/was-ist-bne/grundlagen/gestaltungskompetenz/

Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung: http://www.bne-portal.de/was-ist-bne/Themen/

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